Der kommerzielle Handel durchlebt seit einigen Jahren einen stetigen Wandel. Weg vom traditionellen Verkauf im Einzelhandel - hin zu virtuellen Marktplätzen. Und das eCommerce Business boomt! In den vergangenen Jahrenstieg der jährliche Umsatz allein in Deutschland auf 58,5 Milliarden Euro (in 2018) an. Das macht ein Plus von ungefähr 4 Mrd. Euro pro Jahr und ein durchschnittliches Wachstum je Branche von ungefähr 11%. Verständlich, wenn man die Vorteile bedenkt, die der Online-Handel für euch als Händler birgt: Keine Ladenmiete, weniger Personalkosten und keine festen Öffnungszeiten.

 

20% des jährlichen eCommerce Umsatzes in Deutschland werden mit Internationalem Handel erwirtschaftet.

Der lukrativste Faktor jedoch ist die teils unbegrenzte Reichweite, die Online Handel mit sich bringt. Im Gegensatz zu einem stationären Ladenlokal, kann man seine potentielle Reichweite Online selbst bestimmen und so lokalen, nationalen und internationalen Handel betreiben. Umfragen haben ergeben, dass bereits heute 2/3 aller Deutschen Onlineshops international aktiv sind. So werden 20% des gesamten Umsatzes mit internationalem Handel erwirtschaftet. Besonders in der EU ist die Bereitschaft online international einzukaufen sehr hoch.

 

Die Bereitschaft internationalen Handel zu Betreiben ist EU weit sehr hoch. So sind zum Beispiel 90% der Italiener bereit, Ware aus dem EU Ausland zu kaufen. In der Schweiz sowie in Spanien liegt die Bereitschaft bei rund 84%.

Wer jedoch International verkaufen will muss mehrere Dinge beachten. Zum einen werden separate Top-Level-Domains, Sub-Domains und verschiedene Sprachverzeichnisse benötigt. Aber auch die Umsatzsteuerregelungen sollten nicht außer Acht gelassen werden! Hierbei sind B2B und B2C Unternehmen stark zu differenzieren.

 

Die Umsatzsteuer, oder auch Umsatzsteuer, wird bei EU weitem Handel zwischen B2B und B2C differenziert berechnet.

Solltet ihr als B2B Unternehmen an einen Interessenten aus dem EU Ausland verkaufen, so müsst ihr als Unternehmen keine Umsatzsteuer berechnen. Einzig der Abnehmer ist verpflichtet die Erwerbsbesteuerung durchzuführen. Solltet ihr jedoch an Endverbraucher ins EU Ausland verkaufen, gestaltet sich die Umsatzsteuerthematik etwas komplexer.

 

Die Umsatzsteuer wird nur einmal abgeführt. In welchem Land diese berechnet wird, wird mithilfe von Schwellenbeträgen bestimmt.

In der Regel könnt ihr selber entscheiden, in welchem Land ihr die Umsatzsteuer berechnen wollt. Eure Wahl sollte jedoch durchdacht sein, da diese euch für einen Zeitraum von 2 Jahren verpflichtet. Zudem hat jedes EU Land einen sogenannten Schwellenbetrag festgelegt. Sollte der Jahresumsatz eures Unternehmens im betreffenden Land diesen überschreiten, so seid ihr verpflichtet eure Umsatzsteuer im Empfänger Land abzurechnen. Sollte euer Jahresumsatz einen solchen Schwellenwert überschreiten, und ihr somit verpflichtet werden eure Umsatzsteuer im jeweiligen Land abzurechnen, benötigt ihr eine Steuernummer im jeweiligen Land. Ist diese Grenze zudem einmal überschritten, bleibt ihr auch in den Folgejahren im Empfängerland Umsatzsteuerpflichtig. Dies gilt auch dann, wenn euer Unternehmen den Schwellenwert im Folgejahr unterschritten hat.

 

Beispiele für Schwellenbeträge innerhalb der EU:

Land

Schwellenbetrag

Österreich, Belgien, Frankreich, Niederlande, Spanien

35.000 Euro

Großbritannien

34.400 Euro

Deutschland

100.000 Euro

Dänemark

37.500 Euro

 

Wenn ihr an Endverbraucher verkauft und die Besteuerung nach deutschem Recht wählt, gilt dies nicht zwangsläufig für alle Produkte. So werden unter anderem Alkohol und Tabak erst im Zielland beim eigentlichen Kauf durch den Verbraucher beteuert.

 

Die Umsatzsteuer für „Elektronisch erbrachte Leistungen“ wird gesondert als „KEA“ beim Bundeszentralamt für Steuern berechnet.

Eine weitere Ausnahme beschreiben sogenannte „Elektronisch erbrachte Leistungen“. Zu diesen Ausnahmen gehören unter anderem eBooks, Streaming-Dienste für Film und Musik, Downloads sowie kostenpflichtige Portale und Datenbanken. Hierbei wird die Umsatzsteuer grundsätzlich im Land des Leistungsbeziehers erhoben. Schwellenbeträge greifen hier nicht. Damit der Dienstleister seine Umsatzsteuer nicht in jedem EU Land einzeln abrechnen muss, trat am 1.1.2015 das so genannte “Mini-One-Stop-Shop-Verfahren", kurz MOSS, in Kraft. In Deutschland auch „Kleinste Einzige Anlaufstelle“ (KEA) genannt. Die KEA hängt dem Bundeszentralamt für Steuern an. Hier könnt ihr euer Dienstleistungsunternehmen registrieren. Der MOSS führt eure Umsatzsteuer dann an das jeweilige EU-land ab.

 

Kleinunternehmen sind nur innerhalb Deutschlands von der Umsatzsteuer befreit.

Kleinunternehmen sind innerhalb Deutschlands von der Umsatzsteuer befreit. Dies gilt jedoch nicht für den Handel mit dem europäischen Ausland. Da ihr als Kleinunternehmen nicht zwischen einer Abrechnung der Umsatzsteuer im In- oder Ausland entscheiden könnt, seid ihr verpflichtet eure Umsatzsteuer im Empfängerland abzurechnen. Dies gilt auch für sogenannte „Elektronisch erbrachte Leistungen“.

 

Die unterschiedlichen Steuersätze je Empfängerland sollten auch in der Konstruktion eures Onlineshops und somit in Shopify Beachtung finden.

In euren Shopify Einstellungen habt ihr die Möglichkeit, für verschiedene Länder differenzierte Steuersätze festzulegen. An dieser Stelle empfehlen wir allerdings die Prüfung, ob ergänzende Shopfiy Accounts für die entsprechenden Länder sinnvoll sein könnten. Grundsätzlich lässt sich die Umsatzsteuerthematik in Shopify wunderbar umsetzen.

 

 

Bei internationalem Handel außerhalb der EU kommt das sogenannte „Reserve-Change-Verfahren“ zum Einsatz.

Wer internationalen Handel außerhalb der EU betreibt (B2B o. B2C), muss grundsätzlich keine Umsatzsteuer berechnen. Allerdings muss dies akribisch dokumentiert werden. Neben Belegen über den abgeschlossenen Handel muss euer Unternehmen nachweisen können, dass die entsprechende Ware tatsächlich in ein Land außerhalb der EU versandt wurde. Auf der dazugehörigen Rechnung muss zudem explizit vermerkt sein, dass es sich um eine umsatzsteuerfreie Auslieferung handelt. Maßgeblich hierfür ist zudem einzig der sogenannte “Waren Weg“. Wird zum Beispiel ein Paket aus Österreich bestellt, jedoch in die Schweiz geliefert, so handelt es sich nach Waren Weg um einen Handel mit einem Nicht-EU -Land und die Bestellung kann umsatzsteuerfrei berechnet werden. Zölle können hier jedoch nicht berechnet werden, da diese über den Dienstleister wie bspw. DHL berechnet werden.

 

Im Allgemeinen kann der Handel mit ausländischen Kunden durch das „Reserve-Change-Verfahren“ vereinfacht werden.

Im Falle des sogenannten „Reserve-Change-Verfahrens“ wird die Umsatzsteuer vom Leistungsempfänger statt vom Leistungssteller abgeführt. Hierbei benötigen sowohl das Unternehmen als auch der Empfänger eine gültige USt-ID. In diesem Fall stellt das Unternehmen dem Empfänger einzig den Nettopreis in Rechnung. Der Empfänger kann so die Umsatzsteuer direkt im Zielland abführen, ohne sich an das Bundeszentralamt für Steuern wenden zu müssen. Dies erspart beiden Seiten eine aufwendige Verwaltung.